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Speed-Queen Schmidhofer: Fahrten statt Worte

Sie selbst würde es, auch wenn Nicole Schmidhofer nicht auf den Mund gefallen ist, anders formulieren. Aber aktuell ist die Steirerin die beste Abfahrerin der Welt. Der Beweis dafür ist 36 Zentimeter groß, acht Kilogramm schwer und aus Kristall: die Kugel für den Gewinn des Abfahrts-Weltcups 2018/2019.

Es war die erste Kristallkugel für Österreichs Ski-Damen seit Eva-Maria Brem 2016 im Riesentorlauf und, fast noch wichtiger, die erste in der schnellsten aller Disziplinen, deshalb auch Königsdisziplin, seit Renate Götschl vor zwölf Jahren.

„Die Kugel hat einen unglaublich hohen Stellenwert für mich, weil es ist der Beleg dafür, dass man die gesamte Saison über schnell war“, legt sich automatisch ein Grinser über das Gesicht der 30-Jährigen, wenn sie über den größten Erfolg ihrer Karriere spricht. Aber, auch das weiß Schmidhofer, die 2007 ihr Weltcup-Debüt gegeben hat und erst elf Jahre danach ihr erstes Weltcup-Rennen gewinnen konnte: nach der Saison ist vor der Saison, und nun werden die Karten wieder neu gemischt. Mit dem Unterschied, dass sie die große Gejagte ist.

Gewicht rauf, Abwechslung rein

Vor der Abreise in die USA, wo es im finalen Trainingslager um Feinschliff und Kantenschliff, also die letzten Details im Bereich im Bereich Technik und Material vor dem Speed-Auftakt in Lake Louise (6. bis 8. Dezember) geht, ließ Schmidhofer tief blicken.

Erzählte von einem längeren „Krankenstand“ im Frühjahr, von Adduktorenproblemen im Sommer und Hüftschmerzen nach dem Trainingslager in Chile. „Je besonderer die Vorbereitung, desto interessanter die Saison“, nimmt es „Speedy Schmidi“ positiv. Und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Auch weil die Erfahrungen der letzten Jahre sicher machen: „Ich brauche sowieso immer ein bisschen länger, um mir das Vertrauen in mein Paket zu erarbeiten, das richtige Feeling aufzubauen und rennfertig zu werden. Die wichtigen Trainingstage sind die in Amerika. Ich hoffe, dass ich vom Level dahinkomme, wo ich im Frühling aufgehört habe.“

Ich brauche Abwechslung im Training – nur so kann ich mich weiterentwickeln.

Körperlich hat die Super-G-Weltmeisterin von St. Moritz 2017 trotz Krankheit und Verletzungen wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht. Auch dank der Unterstützung von Technogym, wie die Markenbotschafterin verrät. „Ich habe jetzt noch mehr Möglichkeiten im Konditions- und Krafttraining, wir haben geschaut, dass viel Abwechslung drin ist. Das ist wichtig, weil nur so kann ich mich weiterentwickeln.“
Ausdauer wurde vorwiegend am Skillbike getankt, das auch während der Saison ständiger Begleiter ist. Beim Krafttraining hat sie zu den großen Scheiben gegriffen, um etwas Gewicht zuzulegen: „Das Gewicht war letztes Jahr ein entscheidender Punkt, deshalb haben wir darauf einen Fokus gelegt.“ Um auch in dieser Saison wieder einen Schritt nach vorne zu machen. „Der letzte Winter war schon sehr gut. Aber es waren auch Ergebnisse von 10 bis 15 dabei – und ich will noch öfters unter die Top-5 und aufs Podest.“

Einzelsportlerin mit Teamspirit

Schmidhofer weiß auch um die gesteigerte Erwartungshaltung. Einmal Kristallkugel, immer Kristallkugel. Sie behält ihre Ziele trotzdem lieber für sich, verzichtet auf Ankündigungen und möchte lieber ihre Fahrten und Ergebnisse sprechen lassen. „Mit der Erwartungshaltung ist das immer so seine Sache … setzt man die Ziele zu niedrig an, sagen die Leute gleich: die stapelt tief. Mir ist klar, dass Platzierungen zu meinem Sport dazu gehören, ich stehe deshalb aber nicht in der Früh auf und sage: heute muss ich gewinnen! Auf der anderen Seite weiß ich, wenn bei mir alles passt, kann auch wieder etwas richtig Gutes rauskommen.“
Eines hat sich durch den Gewinner des Abfahrts-Weltcups jedenfalls verändert: das Wissen um die eigenen Stärken. Und das erhöht den Grundspeed. „Ich weiß jetzt, was es an gewissen Weltcup-Stationen braucht, um zu gewinnen, worauf es ankommt und woran ich arbeiten muss.“

Wir haben uns die Erfolge gemeinsam erarbeitet – uns verbindet als Team mehr als nur die gleichen Rennanzüge

Dafür setzt Schmidhofer auch auf das Team und also darauf, Teil einer der besten Mannschaften der Welt zu sein und darauf, im Training gute Anhaltspunkte zu bekommen. „Skifahren ist ein Einzelsport, aber nur vom Start bis ins Ziel. Wir haben uns die Erfolge der letzten Jahre gemeinsam als Mannschaft erarbeitet – weil wir ein richtiges Team sind, das mehr verbindet als die gleichen Rennanzüge. Wir geben uns gegenseitig Tipps, helfen uns. Das macht uns so stark.“
Mit Ramona Siebenhofer hat sie eine der besten Starterinnen neben sich, Mirjam Puchner gehört zu den Schnellsten im Flachen. „Da kann man sich viel abschauen.“
Höhepunkt eines Winters ohne Olympische Spiele und Weltmeisterschaften ist für Nicole Schmidhofer der Heim-Weltcup in Zauchensee, wo ihr Stern bei der Junioren-WM 2007 mit zwei Mal Gold, einmal Silber und einmal Bronze erstmals hell strahlte. „Der steile Starthang taugt mir richtig, die Pistenbedingungen sind immer ein Traum und dann kommen immer viele Fans von mir daheim.“ Und in der Euphorie gibt es dann doch noch ein klares Ziel: „Bis jetzt war ein 5. Platz in Zauchensee mein bestes Ergebnis im Weltcup – dort möchte ich einmal am Stockerl stehen.“

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